Gruppenstunden in

Bewusstheit durch Bewegung

Moshé Feldenkrais hat im Laufe seines Lebens unzählige Lektionen in "Bewusstheit durch Bewegung" (englisch: Awareness through Movement) konzipiert und in öffentlichen Kursen oder den Intensiv-Ausbildungen unterrichtet.

Dieses Basismaterial bietet eine Fülle von immer wieder verschiedenen, klar strukturierten und meist auf bestimmte Körperfunktionen ausgerichtete Bewegungsabfolgen.




     Fotografin: Inga Paas

Die Studenten führen Bewegungen aus, die der Lehrer (englisch: Practitioner) verbal anleitet.
Bestandteile einer Stunde sind immer

  • Spürsequenzen, in denen der Kontakt zum Boden, Seitenunterschiede und Veränderungen wahrgenommen werden und
  • Bewegungssequenzen, die sich während einer Stunde langsam von einfach zu immer anspruchsvoller aufbauen.
Der Lehrer stellt immer wieder Fragen, die der Student sich im Stillen selbst beantwortet, um seine Wahrnehmung zu lenken. Dabei wird nicht nachgemacht, sondern von jedem Einzelnen nach dem eigenen Selbstverständnis interpretiert, wie eine Bewegung gemeint ist. Der Lehrer korrigiert nur falsch Verstandenes (Verwechslung von links und rechts z.B.) und greift ansonsten nur dann ein, wenn der Student sich offensichtlich Schaden zufügt.

Denn einer der wichtigsten Aspekte der Feldenkrais-Gruppenstunden ist:

Gehe nie über Deine Grenzen

Das heißt einerseits, Grenzen des Machbaren, aber auch Schmerzgrenzen, Wohlfühlgrenzen, Grenzen der Anstrengung. Keine Bewegung sollte mit Gewalt erzwungen werden, keine Bewegung sollte Schmerz auslösen. Darauf zu achten, liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Teilnehmers.

Lernen ist nur dann möglich, wenn die Aufmerksamkeit nicht von Ehrgeiz, Schmerz oder anderen Störfaktoren von der Bewegungswahrnehmung abgelenkt ist. Der einzelne Student schafft sich selbst sein Lernfeld, möglichst ohne Stress und Zielerreichungszwang, sondern mit Neugier und Forscherdrang.

Ein zweiter wichtiger Faktor ist daher die

Leichtigkeit

als Kriterium für die Bewegungsqualität. Wenn etwas nicht leicht geht, probiert man die Bewegung kleiner, langsamer oder vielleicht sogar nur in der Vorstellung auszuführen. Je subtiler eine Bewegung ist, desto besser lassen sich Veränderungen wahrnehmen. Wer mit 200 km/h über die Straße fegt, wird kaum etwas von der Landschaft wahrnehmen. Der langsame Fahrer hingegen kann Einzelheiten erkennen.

Manchmal verhindern Schmerzen auf einer Seite, dass die Bewegung dort ausgeführt wird - dann kann diese schmerzende Seite davon lernen, wie die andere Seite die Bewegung ausführt, ohne selbst überhaupt etwas tun zu müssen - dank des cleveren Nervensystems.

Der ganze Körper

Wenn nur einzelne Muskeln oder Muskelgruppen an einer Bewegung beteiligt sind, reagiert der Körper häufig mit Schmerz, da die Bewegung nicht durch den ganzen Körper durchgehen kann, sondern an einer bestimmten Stelle blockiert. Diese Blockade wird dann meist durch Einsatz falscher Muskelgruppen kompensiert, wodurch Verspannung und schließlich Schmerz entstehen können.

Durch die Feldenkrais-Arbeit können diese nicht beteiligten Körperbereiche wieder in den Bewegungsablauf integriert werden, indem die Skelett-Verbindungen wieder aktiviert werden und die Arbeit von den Körperteilen und Muskeln erledigt wird, die dafür vorgesehen sind.
Es geht also um Teamwork: Jeder Körperteil übernimmt zum richtigen Zeitpunkt den Job, den er am besten kann und überlässt die Aufgaben, die er nicht kann, einem besser geeigneten Team-Mitglied.

Trickkiste

Typische, wenn auch nicht zwangsläufig vorkommende Merkmale einer Feldenkrais-Gruppenstunde sind:

  • die Einführung einer Referenzbewegung, auf die am Ende der Lektion oder auch schon zwischendurch Bezug genommen werden kann, um eine Veränderung leichter erkennbar zu machen
  • die Schaffung einer absichtlichen Einschränkung (englisch: constraint), z.B. durch die Ausgangslage oder die Anweisung, ein bestimmtes Körperteil nicht mit zu bewegen
  • die Differenzierung verschiedener Körperteile, z.B. durch Bewegung der Augen in die andere Richtung als die des Kopfes
  • die Ausführung einer Bewegung auf ungewohnte Weise, z.B. indem die Hände auf unübliche Art und Weise verschränkt werden (probieren Sie es einmal aus: welcher Daumen ist bei Ihnen vorn?)
  • die einseitige Arbeit, d.h. eine Bewegung wird nur auf einer Seite ausgeführt und anschließend die Auswirkung auf die eigene Wahrnehmung gespürt

All diese "Tricks" führen im Nervensystem zu erhöhter Aufmerksamkeit bzw. einem größeren Lernpotential - und machen für den Studenten die Wahrnehmung von Unterschieden leichter.

Interesse geweckt?

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